Warum der Beweidung die Zukunft gehört
Für eine Zeitenwende im Naturschutz
DOI:
https://doi.org/10.11576/biuz-8903Schlagworte:
Biodiversitätskrise, Insektensterben, Megaherbivoren, große Pflanzenfresser, Beweidung als Schlüsselprozess, halboffene Landschaften, Licht als Biodiversitätsfaktor, Offenland versus geschlossenen Wald, extensive Weidewirtschaft, trophic rewilding, Naturschutz-Paradoxon, Kohlenstoffspeicherung im Boden, Habitat-Mosaik, Neue WildnisAbstract
Der gegenwärtige Naturschutz schützt einzelne Arten erfolgreich, bremst jedoch den großflächigen Verlust von Biodiversität und Biomasse kaum. Der Hauptgrund liegt in einem verkürzten Naturverständnis, das Nutzungsfreiheit mit natürlichem Zustand gleichsetzt und dabei meist geschlossene Wälder als Ideal ansieht. Tatsächlich war Mitteleuropa über lange Zeiträume von offenen und halboffenen Landschaften geprägt. Große Pflanzenfresser spielten dabei eine Schlüsselrolle. Durch Fraß, Tritt und Dung hielten sie Landschaften licht, strukturiert und dynamisch und schufen damit die Grundlage für hohe Artenvielfalt. Mit ihrem Verschwinden konnten Gehölze großflächig dominieren, Licht ging verloren und zahlreiche licht- und störungsabhängige Arten verschwanden. Eine Wiederherstellung artenreicher Lebensräume erfordert deshalb die Rückkehr der Beweidung als zentralen ökologischen Prozess. Extensive Beweidung mit Rindern, Pferden oder Wasserbüffeln können die Funktion der einstigen Megaherbivoren übernehmen, Offenland erhalten, Insektenreichtum fördern und natürliche Dynamik ermöglichen. Neben Waldschutz braucht der Naturschutz daher großflächige offene und halboffene, beweidete Landschaften als gleichwertige Form von Wildnis.