Giftige Nahrungspflanzen

Cyanogene Glykoside als chemischer Fraßschutz bei Nahrungspflanzen

Autor/innen

  • Susanne Bickel

DOI:

https://doi.org/10.11576/biuz-4578

Schlagworte:

Nahrungspflanzen, cyanogene Glycoside, chemische Bombe, Bittermandel, Sorghum, Cassava

Abstract

Blausäurehaltige Verbindungen liegen in den Pflanzen an Zuckerreste gebunden vor. Sie sind als intaktes Glykosid ungiftig. Zur Abspaltung der Zuckerreste sind Enzyme (Glykosidasen) notwendig, die jeweils erst zur Reaktion gelangen, wenn das Gewebe der Pflanze verletzt wird. Die Freisetzung der hochgiftigen Blausäure ist somit ein Fraßschutz für die Pflanzen. Außer den Samen unserer Rosaceenarten wie Apfel, Pfirsich, Mandel (Bittermandel) und Aprikose gibt es zahlreiche Weltwirtschaftspflanzen, die diese Giftvorstufen enthalten. Maniok (Cassava), ein Hauptnahrungsmittel in Afrika, ist in allen Teilen giftig, wenn man das ungiftige Glykosid nicht sachgerecht entfernt. Es gibt gentechnische Ansätze, das cyanogene Linamarin in den Knollen schneller abbaubar zu machen. In Süßgräsern, wie Sorghumhirse und Bambus, dessen junge Sprosse gerne gegessen werden, kommen hohe Konzentrationen an dem Blausäureglykosid Dhurrin vor. Gerade die jungen, empfindlichen Triebe der Pflanzen und die Reproduktionsorgane werden durch diese „chemische Bombe“ geschützt. Bei der Sorghumhirse enthält nur der zur Grünfuttergewinnung genutzte Teil der Pflanze das Glykosid. Die Samen sind ungiftig und können unbehandelt zu Hirsemehl, -brei oder -grütze verarbeitet werden.

Veröffentlicht

2021-08-09

Zitationsvorschlag

Bickel, S. (2021). Giftige Nahrungspflanzen: Cyanogene Glykoside als chemischer Fraßschutz bei Nahrungspflanzen. Biologie in Unserer Zeit, 51(3), 272–280. https://doi.org/10.11576/biuz-4578